Human Bio-Monitoring Ergebnisse zeigen massive Belastung der Menschen in der EU mit schädlichen Chemikalien

Wir fordern strengere Regulierungen und strikte Verbote von bedenklichen Chemikalien auf Basis des Vorsorgeprinzips um die Belastung für Frauen, Männern und Kindern zu verringern.

Quelle: HBM4EU

Fünf Jahre, von 2017 bis 2022, untersuchte eine gemeinsame Initiative von 30 Ländern, der Europäischen Umweltagentur (EEA) und der Europäischen Kommission im Rahmen des EU-Projekts HBM4EU (Human Biomonitoring for EU) die Schadstoff-Belastung der Menschen in Europa. Ziel war es, die Belastung von Menschen mit Chemikalien zu messen, die Auswirkungen auf die Gesundheit zu erforschen und die Risikobewertung für Chemikalien verbessern zu können, um die Politikgestaltung zu unterstützen. Wir von WECF war eine der beteiligten NGO Stakeholder.

Programme wie HBM4EU sind wichtig, um festzustellen, welche giftigen Chemikalien im menschlichen Körper angesammelt werden. Aber sie zeigen auch das Vorhandensein bestimmter toxischer Chemikalien, die überhaupt nicht im menschlichen Körper sein sollten. Die Botschaft muss lauten: Die Belastung durch giftige Chemikalien muss gestoppt werden, und es bedarf einer stärkeren Regulierung. Wir wissen, dass Frauen unterschiedlich von Chemikalien betroffen sind. Daher sind mehr geschlechtsspezifische Daten erforderlich, die bei der Entscheidungsfindung und Risikobewertung berücksichtigt werden müssen. Wir werden die Ergebnisse des HBM4EU nutzen, um Maßnahmen auf der politischen Agenda einzufordern. Quelle: HBM4EU Newspaper, Seite 10

Johanna Hausmann – Senior Policy Advisor, Chemikalien & Gesundheit, Beraterin für WECF

Das HBM4EU Projekt bewertetet und harmonisierte vorhandene Daten und koordinierte neue Biomonitoring-Studien mit einem Fokus auf 18 prioritäre Stoffe/Stoffgruppen, darunter PFAS, Bisphenole, Phthalate und Flammschutzmittel.

Fazit: die europäische Bevölkerung ist in hohem Maße schädlichen Chemikalien ausgesetzt.

Am 27. und 28. April 2022 fand in Brüssel die Abschlusskonferenz zum HBM4EU-Projekt mit dem Thema „Wissenschaft und Politik für eine gesunde Zukunft“ statt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die europäische Bevölkerung ist in hohem Maße schädlichen Chemikalien ausgesetzt. Es bleibt also noch viel zu tun, um die Menschen vor den Gesundheitsauswirkungen zu schützen, die durch den Kontakt mit Chemikalien entstehen. Denn wie die Untersuchungen gezeigt haben, sind die Belastungen zum Teil erschreckend hoch. Das betrifft verschiedene Stoffe, z.B. die persistenten und giftigen PFAS-Substanzen und auch jene, die unser Hormonsystem stören können (EDCs – Endocrine Disrupting chemicals). Es ist dringend notwendig zu handeln.

Wichtigen Ergebnisse im Überblick

  • Kinder und Jugendliche sind in der gesamten EU-Phthalaten (Weichmachern) und Substituten für Phthalate ausgesetzt, wobei Metaboliten in fast allen Proben gefunden wurden.
  • Die Exposition gegenüber BPA, das als hormonell wirksam eingestuft ist, ist weit verbreitet; mehr Maßnahmen sind notwendig, um diese Exposition zu verringern.
  • Mehr als 14 Prozent der untersuchten europäischen Jugendlichen wiesen in ihrem Körper Werte mehrerer PFAS auf, die in der Kombination die Grenzwerte überschritten.
  • Es besteht dringender Bedarf, sich mit der Exposition gegenüber Mischungen aus Chemikalien, auch bekannt als chemische Gemische (Mixtures), zu befassen und diesen Aspekt bei der Risikobewertung zu berücksichtigen.
  • Die EU-Strategie für Nachhaltigkeit in Chemikalien verpflichtet sich, die Risiken der Exposition gegenüber Gemischen anzugehen. Ein wichtiger Schritt dazu ist, einen so genannten Mixture Assessment Factor (MAF) in alle Chemikalienbewertungen einzubeziehen, beginnend mit dem wichtigsten EU-Chemikaliengesetz REACH.

 

Quelle: CHEM Trust, 2022. Chemical cocktails – The neglected threat from toxic mixtures and how to fix it. https://chemtrust.org/wp-content/uploads/Chemical-cocktails_CHEMTrust-report_March-2022.pdf

Die Daten aus dem HBM4EU-Projekt bestätigen erneut, dass bei mehreren der gefährlichsten Chemikalien in Produkten, darunter PFAS, Bisphenole und Flammschutzmittel – häufig Bestandteile von Plastikprodukten -, Handlungsbedarf besteht. Die Verwendung einer Reihe von Gruppen dieser Stoffe wurde nach der Veröffentlichung der „Restrictions Roadmap“ der Europäischen Kommission nach REACH, dem wichtigsten Chemikalienrecht der EU, für eine Einschränkung vorgesehen. >> unsere Reaktion

Darüber hinaus ist nicht zu vergessen, dass wir die planetare Sicherheitsgrenze für chemische Verschmutzung bereits überschritten haben: Umweltverschmutzung, eingeschlossen der Verschmutzung durch Chemikalien, wurde von den Vereinten Nationen neben dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt als die dritte planetarische Krise identifiziert. Alle drei Krisen sind eng miteinander verbunden.  >> Mitteilung von WECF.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf, die Verbreitung schädlicher Chemikalien zu reduzieren, was in den verschiedenen Politikprozessen wie bspw. der REACH Reform, in SAICM und auch in den UN-Chemikalien Konventionen greifen muss.

Weiter mit PARC

Um die Forschung weiterzuführen, Wissen auszutauschen und die Kompetenzen im Bereich der Risikobewertung von Chemikalien zu verbessern wurde die „Europäische Partnerschaft für die Bewertung von Risiken durch Chemikalien (PARC)“, ins Leben gerufen. Das Projekt wird über sieben Jahre von 200 Partnerorganisationen aus 28 Ländern, nationalen Agenturen und Forschungseinrichtungen wie die European Environment Agency (EEA), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) durchgeführt.

Unser Tipp: In unserem Nestbau-Programm erfahren Verbraucher*innen, Schwangere, junge Familien und alle Interessierte mehr über Chemikalien im Alltag.

 

 

 

 

 

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