Erste Sitzung der Open-Ended Working Group (OEWG) des Global Framework on Chemicals (GFC) bringt Akteur:innen weltweit zusammen

München / Punta del Este, 2. Juli 2025

Chemikalienverschmutzung gehört zu den größten Bedrohungen für Umwelt und Gesundheit. Das Global Framework on Chemicals (GFC), 2023 in Bonn verabschiedet, ist ein internationales politisches Instrument, das Regierungen, Industrie, Zivilgesellschaft und internationale Partner:innen zusammenbringt. Ziel ist es, schädliche Chemikalien zu reduzieren und sichere Alternativen zu fördern. Mit fünf strategischen Zielen und 28 Unterzielen weist das freiwillige Multi-Stakeholder-Rahmenwerk einen klaren Weg zum Schutz von Mensch und Umwelt entlang globaler Lieferketten und in allen Sektoren auf.

Vom 24. bis 27. Juni 2025 fand in Punta del Este, Uruguay, die erste Sitzung der OEWG statt. Über 600 Teilnehmende aus Ministerien, Industrie, Gewerkschaften, NGOs, Wissenschaft und Jugendorganisationen kamen zusammen. Wir von WECF wurden durch Griffins Ochieng, Direktor des Centre for Environment Justice and Development (CEJAD) in Kenia, vertreten und brachte sich in Plenumsdiskussionen und Kontaktgruppen ein.

Unser Fazit: Viele Diskussionen, wenig Fortschritt – Die Erwartungen an die OEWG wurden nur teilweise erfüllt.


Offenes Mandat – unklare Ergebnisse

Das Mandat der OEWG blieb vage. Es wurden keine verbindlichen Beschlüsse gefasst, sondern lediglich ein Bericht verabschiedet. Zwar bot die Sitzung Raum für den Austausch, doch wie die Beiträge in den weiteren Prozess einfließen, ist offen. Damit trägt die Sitzung wenig zur Vorbereitung der ersten Internationalen Konferenz im vierten Quartal 2026 bei.

Finanzierung bleibt das größte Problem

Wie schon beim Vorgänger SAICM ist auch das GFC stark unterfinanziert. Das Sekretariat kann derzeit nur eingeschränkt arbeiten, ab 2026 ist die Zukunft unsicher. Zwar hat der GFC-Fonds seine Arbeit aufgenommen und vier Projekte in elf Ländern bewilligt, doch viele kritisieren hohe Hürden bei Anträgen und fehlende Mittel. Eine Einigung über eine nachhaltige Finanzierung blieb aus.

Fortschritte beim Gender Action Plan – Widerstand einzelner Staaten

Positiv aufgenommen wurde der Entwurf für einen Gender Action Plan, der mehr Gerechtigkeit und Inklusivität sichern soll. Kritik kam jedoch von den Delegationen der USA und Argentiniens, die den Begriff „Gender“ ablehnten und eine engere Formulierung auf Männer und Frauen forderten.
Wir von WECF und das Forum Umwelt & Entwicklung betonten in einer Intervention die Bedeutung der 2023 in Bonn beschlossenen Resolution und forderten deren konsequente Umsetzung. Viele Stakeholder unterstützten diese Position.

Wir haben eine konsensbasierte Formulierung verabschiedet, die sich nachdrücklich für Gendergerechtigkeit einsetzt und mit der von den Vereinten Nationen vereinbarten Sprache übereinstimmt. Die Integration von Geschlechtergerechtigkeit stellt sicher, dass Forschung, Regulierung und Strategien die Lebensrealitäten aller Gemeinschaften widerspiegeln. Dies führt zu einer stärkeren Governance, gerechteren Ergebnissen und einer sichereren Umwelt für kommende Generationen. Wir würdigen die bisherigen Fortschritte bei der Entwicklung des Gender Action Plans und sprechen uns nachdrücklich dafür aus, dass alle Stakeholder die konsequente Umsetzung der Resolution V/4 engagiert fortführen.“ –  (WECF, FuE)

Umgang mit „Issues of Concern“

Acht Themen aus dem SAICM-Prozess, darunter PFAS, EDCS (endokrine Disruptoren) und Blei in Farben, wurden in das GFC übernommen. Uneinigkeit bestand darüber, ob sie weiterhin im GFC oder besser in spezifischen Programmen bearbeitet werden sollen. Fortschritte blieben aus – vor allem wegen fehlender Ressourcen und klarer Konzepte.
Besonders kontrovers war das Thema hochgefährliche Pestizide: Einige Staaten wollten es nicht mehr im GFC verankern, andere sahen darin gerade die Chance, über die neue Globale Allianz Fortschritte zu erzielen.

Globale Allianz zu hochgefährlichen Pestiziden stockt

Ein Beschluss der Weltchemikalienkonferenz 2023 war die Einrichtung einer Globalen Allianz zu hochgefährlichen Pestiziden. Die FAO stellte zwar ein Rahmenwerk vor, doch einzelne Akteure blockierten und versuchten, das Ziel eines weltweiten Ausstiegs bis 2035 abzuschwächen.

Indikatoren noch unausgereift

Die Entwicklung messbarer Indikatoren für die GFC-Ziele gestaltet sich schwierig. Es mangelt an Erfahrung, Kapazitäten und Einigkeit über Prioritäten. Damit bleiben erhebliche Lücken bestehen.

Ein Highlight war das gemeinsame NGO-Statement von WECF, Pesticide ActionNetwork International (PAN), Health Care Without Harm (HCWH), der International TradeUnion Confederation (ITUC) und dem International Pollutants Elimination Network, mit dem wir uns zu einer starken und effektiven Umsetzung des GFC aussprechen. WECF betont dazu:

„Als öko-feministisches Netzwerk betonen wir im Zusammenhang mit dem Statement besonders die Bedeutung von Geschlechter-gerechtigkeit im Chemikalienmanagement. Die in Bonn verabschiedete Resolution zu Gender und Chemikalien gibt einen klaren Auftrag: Es braucht einen starken, inklusiven Gender-Aktionsplan. Gerade angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen, die Gleichstellung untergraben, fordern wir: Kein Rückschritt des Genderaspekt im Global Framework on Chemicals!“ – WECF

 

Weitere Infos

Gemeinsames Statement mit dem Forum Umwelt & Entwicklung auf Englisch

Gemeinsames NGO-Statement zur effektiven Umsetzung des GFC auf Englisch

Vorläufiger Bericht der OEWG auf Englisch

Bericht des Earth Negotiation Bullentin auf Englisch

Multi-Stakeholder-Workshop zur Umsetzung des GFC