Verbot von Einwegplastik: Ein Grund zur Freude?

„Wichtig, aber unzureichend und 30 Jahre zu spät“. Der Politiker Hans-Josef Fell kommentiert das neu verabschiedete Gesetz zum Verbot von Einwegplastik kritisch. Zu recht, finden wir.

Spätestens ab dem Sommer 2021 ist es soweit: Etliche Produkte aus Einwegplastik sollen verboten werden. Das soll Erleichterung bringen – für uns, für unseren Mülleimer, für Umwelt und Natur. Doch ist dieses Gesetz so gut wie es klingt?

„Die Bundesregierung hat […] das von der EU bereits Ende 2018 (!) beschlossene Verbot von Einwegplastik verabschiedet. Damit sind spätestens ab Sommer 2021 etliche Wegwerfprodukte verboten. Darunter zählen unter anderem Wattestäbchen, Trinkhalme, Plastikbesteck, Luftballonstäbe, Kaffee-Rührstäbchen, Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen. Generell werden mit der Verordnung herkömmliche Einweg-Produkte aus Kunststoff verboten, die aus fossilen Rohstoffen wie z.B. Rohöl hergestellt werden.“

Dass in den Weltmeeren in absehbarer Zeit mehr Plastik als Fisch schwimmen wird, ist ein reales Zukunftszenario. Strände voller Müll, Meerestiere, die an mit Plastik gefüllten Mägen verhungern, und die großen Müllstrudel im Ozean sind Bilder, die inzwischen beinahe jeder Mensch kennt. Wir stecken in einer Plastikkrise. Plastik ist überall. In Luft, Wasser und Böden. 2016 wurden in Deutschland 9.696 Tonnen Mikroplastik mit Klärschlamm auf Äckern und Feldern ausgebracht. Ein Beispiel von vielen. Plastik macht auch vor unserem Körper nicht halt – als Mikroplastik essen, trinken und atmen wir es ein.

Seit den 90er Jahren sind wir in der Beherrschung des Plastik- und Müllproblems nicht ernsthaft vorangekommen. Die Frage ist, ob die jetzt beschlossenen Regelungen also den Befreiungsschlag bringen, den wir zum Schutz von Umwelt und Gesundheit dringend brauchen.

„Wenn die Bundesregierung es mit der Vermeidung von Gesundheitsgefahren durch Mikroplastik genauso ernst nehmen würde, wie mit der Corona-Pandemie, hätte sie ganz andere Maßnahmen beschließen müssen und wesentlich weitreichendere Verbote von Verpackungsmaterialien über Kunststoffflaschen bis hin zu Plastikmöbeln erlassen müssen.“

In einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen formulierten wir 15 Forderungen an die Bundesregierung, damit die möglichen Wege aus der Plastikkrise konsequent gegangen werden.

 

Gesamtartikel von Hans-Josef Fell