UNEA7 war eine Enttäuschung für Menschen- und Frauenrechte

17.12.2025

Die Verhandlungen bei der siebten United Nations Environmental Assembly (UNEA) waren von wenig Fortschritt und starken politischen Spannungen geprägt. Zentrale Bezüge zu Gesundheit, Menschenrechten, Geschlechtergerechtigkeit und den Rechten indigener Völker wurden im Verlauf der Verhandlungen wiederholt abgeschwächt oder vollständig gestrichen. Gleichzeitig war der Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft deutlich eingeschränkt, was die inklusive Beteiligung weiter erschwerte.

Sascha Gabizon (WECF) auf dem Podium der UNEA7
Photo: Sonia Goicoechea

Ergebnisse blieben weit hinter den umwelt- und gesundheitspolitischen Erwartungen zurück

Von insgesamt 15 Resolutionsentwürfen wurden elf Resolutionen und drei Entscheidungen verabschiedet – vielfach in deutlich abgeschwächter Form. Mehrere ambitionierte Initiativen, darunter zum Schutz der Tiefsee, zur Stärkung des UNEP-Hauptquartiers sowie zu verbindlichen Maßnahmen im Bereich Mineralien, wurden zurückgezogen. Insgesamt blieben die Ergebnisse weit hinter den dringend notwendigen umwelt- und gesundheitspolitischen Erwartungen zurück.

Das WECF-Team Chemikalien & Gesundheit nahm an den Verhandlungen der United Nations Environment Assembly (UNEA) vom 1.–12. Dezember in Nairobi teil. Gemeinsam mit Partner:innen der Women’s Major Group (WMG) begleiteten wir die Resolutionen zu Chemikalien- und Abfallmanagement sowie zu Mineralien und Metallen. In Stellungnahmen betonten wir wiederholt die Notwendigkeit ambitionierter Ziele, wirksamer Instrumente und inklusiver Mechanismen für eine geschlechtergerechte und menschenrechtszentrierte Umweltpolitik. Diese Aspekte fanden in den finalen Resolutionstexten jedoch nur unzureichend Berücksichtigung.

Diese Schieflage wurde auch bei der Pressekonferenz der Women’s Major Group (WMG) deutlich benannt. Die WMG kritisierte, dass Frauen, indigene Völker und andere betroffene Gruppen in den Texten kaum vorkommen und nicht als Rechteinhaber:innen (rights holders) behandelt werden: “Wir brauchen eine konsequent menschenrechtsbasierte Ausrichtung multilateraler und nationaler Umweltpolitik. Ohne diese Grundlage reproduzieren Umweltlösungen bestehende soziale Ungleichheiten.“

Resolutionen zu Chemikalien- und Abfallmanagement und zu Mineralien und Metallen wurden verabschiedet

Positiv ist, dass beide Resolutionen verabschiedet wurden und damit einen Rahmen für internationalen Austausch zu Rohstoffgewinnung und Abfallmanagement eröffnen. Gleichzeitig beschränken sich die Resolutionen weitgehend auf unverbindliche Dialoge zwischen Mitgliedstaaten und enthalten keine konkreten Maßnahmen zum Schutz von Ökosystemen und vom extraktiven Bergbau betroffenen Gemeinschaften. Zentrale Konzepte wie menschenrechtliche Sorgfaltspflichten („due diligence“) oder ein umweltgerechtes Management entlang des gesamten Lebenszyklus wurden im Verhandlungsprozess gestrichen oder erst gar nicht aufgenommen, wie das bestehende Recht indigener Völker auf Konsultation und freie, vorherige und informierte Zustimmung. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist, Bergbauabfällen als potenzielle Recyclingprodukte zu behandeln ohne ihre Toxizität ausreichend zu berücksichtigen. Eine solche Verkürzung von Kreislaufwirtschaft auf technologische Lösungen greift zu kurz: Kreislaufansätze müssen von Beginn an den Schutz vor toxischer Verschmutzung von Umwelt und Gesundheit mitdenken.

Unsere Side-Events bei UNEA7

Die Women's Major Group mit dem WECF-Transparent "Ecofeminists want System Change"
Photo: WMG

Neben den formellen Verhandlungen war WECF auch an Veranstaltungen am Rande der UNEA aktiv. Gemeinsam mit anderen Organisationen und Delegierten der Mitgliedstaaten diskutierten wir unter anderem, wie die Position von Frauen in multilateralen Umweltprozessen gestärkt werden kann und wie sich Gesellschaften wirksam gegen giftiges Quecksilber in Hautaufhellungscremes wehren können.

Ein Highlight war der gemeinsam mit der Women’s Major Group organisierte „Women’s Delegate Lunch“. Hier gab es einen einen offenen Austausch zwischen den Frauen, die für ihre Regierungen verhandeln, und Frauen, die die Stimmen der direkt von Umweltbelastungen betroffenen Gemeinschaften vertreten.

Für die Zivilgesellschaft und für indigene Völker ist klar, dass es jetzt ambitionierte Schritte braucht, um eine gerechte und zukunftsfähige Umweltpolitik zu gestalten. Diese muss beispielsweise Kreislaufwirtschaft, Chemikaliensicherheit und Menschenrechte konsequent zusammendenken und die Perspektiven der direkt Betroffenen ins Zentrum stellen.