„Stehen Sie auf und drehen Sie den Plastikhahn zu!“ – WECF bei den Verhandlungen zu einem globalen Plastikabkommen

Frauen an die Verhandlungstische für ein gendergerechtes Plastikabkommen! Erklärung der Women’s Major Group.

Uruguay, 30. November 2022

Unsere langjährige Partnerin Carmen Cristina Capriles Flores nimmt im Namen von WECF am Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuss (INC) teil. Der INC wurde gegründet, um ein internationales rechtsverbindliches Instrument zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung, auch in der Meeresumwelt, zu entwickeln. Hier findet ihr die Eröffnungserklärung, die Carmen in dieser Woche im Namen der Women’s Major Group bei den Verhandlungen in Uruguay abgegeben hat.

 

Ich danke Ihnen, Herr Präsident,

Exzellenzen, liebe Kolleg*innen,

Die Women’s Major Group dankt der Regierung von Uruguay für ihre Gastfreundschaft. Wir hoffen, dass wir für eine Zusammenarbeit mit der Regionalregierung rechnen können, um die Beteiligung aller Betroffenen zu gewährleisten, die Menschenrechte zu schützen und die Gleichstellung der Geschlechter in die Vertragsverhandlungen einzubeziehen, wobei die im Escazú-Abkommen eingegangenen Verpflichtungen anerkannt werden.

Wir sind sowohl Kunststoffen als auch den darin enthaltenen Schadstoffen in unseren Wohnungen und am Arbeitsplatz ausgesetzt. Jeden Monat sind insbesondere Frauen* einer unendlichen Zahl von giftigen Chemikalien in alltäglichen Hygieneprodukten ausgesetzt, die als Zusatzstoffe in Kunststoffe eingebracht werden und deren gesundheitliche Auswirkungen unsichtbar oder unbekannt bleiben.

Die Exposition gegenüber gefährlichen Chemikalien in industriellen Prozessen und Konsumgütern hat schwerwiegende Folgen für unsere Gesundheit. Studien haben schädliches Mikroplastik und Chemikalien in der Plazenta und im Blut gefunden. Wir wissen, dass sie eine der Ursachen für verschiedene Arten von Krebs, spontane Fehlgeburten und andere verheerende Zustände bis hin zum Verlust des Lebens sein können. Wir wissen, dass die Produktion von Kunststoffen zunimmt und damit auch die Diagnosen von schwächenden oder chronischen Krankheiten bei Frauen*.

„Wir können uns nicht aus dem Problem herausrecyceln.“

Um uns als Frauen* und alle Menschen vor einer solchen Belastung zu schützen, sind Transparenz und der Zugang zu diesen Informationen über die Chemikalien in Kunststoffen und Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus unerlässlich.

Wir können uns nicht aus dem Problem herausrecyceln. Das Ausmaß der Kunststoffproduktion, mit dem wir bereits konfrontiert sind, ist atemberaubend, und es wird prognostiziert, dass sich die Kunststoffproduktion in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln oder sogar verdreifachen wird. Wir ertrinken bereits jetzt in Plastik und leiden unter den Schäden dieser Verschmutzung. Fangen wir damit an, weniger zu produzieren und giftige Stoffe aus Kunststoffen zu entfernen.

Wir wollen ein ehrgeiziges Abkommen mit konkreten Verpflichtungen, und wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Wir als Frauen* sind vor Ort am stärksten von den negativen Auswirkungen betroffen und am meisten gefährdet. Nicht nur deshalb müssen wir als Frauen* an den Verhandlungstischen sitzen. Wir wollen nicht, dass dieser Prozess zu einer Expo wird, zu der die Verschmutzer*innen kommen und ihre falschen Lösungen präsentieren.

Der Plastikvertrag muss unsere Rechte als Frauen* und die Menschenrechte schützen, einschließlich des Rechts auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt.

Der Plastikvertrag muss die Wirtschaft und die Unternehmen für die verursachten Schäden und für die Verursachung der Plastikkrise verantwortlich machen. Diese Unternehmen waren schon vor Jahrzehnten informiert und haben nichts getan, um das Problem zu lösen, das sie verursacht haben. Der Verhandlungsprozess und seine Umsetzung müssen vor der Manipulation durch diese Industrien geschützt werden, die von geringen Fortschritten in Umweltfragen profitieren.

„Es ist an der Zeit, aufzustehen und den Plastikhahn zuzudrehen.“

Wir müssen hervorheben, dass das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums ein inspirierendes Beispiel dafür ist, wo klare Grenzen festgelegt und beibehalten wurden, um die öffentliche Gesundheitspolitik vor kommerziellen Interessen zu schützen, die dem Gemeinwohl zuwiderlaufen.

In diesem Sinne fordern wir die Staaten und die künftigen Vertragsparteien dieses Übereinkommens auf, nicht den Lobbys von Unternehmen nachzugeben, die den Profit über die Umwelt oder das Gemeinwohl stellen und die für die globale Krise verantwortlich sind, mit der wir heute konfrontiert sind.

Es ist an der Zeit, aufzustehen und den Plastikhahn zuzudrehen.

Herzlichen Dank!

 

Bild im Header: Carmen Cristina Capriles Flores, WECF. Credits: IISD

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