Interview mit Kathrin Schilling (PhD) – Schadstoffe in Menstruationsprodukten

Kathrin Schilling ist Associate Professorin für Umweltgesundheit an der Columbia University in New York. In ihren Studien untersucht sie Menstruationsprodukte auf Schadstoffe, wie diese in den Körper gelangen und dort wirken.

Kathrin, kannst du kurz erzählen, woran du gerade forschst?

Ich untersuche, ob und wie Metalle und andere Schadstoffe aus Menstruationsprodukten freigesetzt werden – und ob sie über die vaginale Schleimhaut in den Körper aufgenommen werden. Überraschenderweise gibt es dazu fast keine Forschung oder klare gesetzliche Vorgaben, obwohl Frauen im Laufe ihres Lebens mehrere tausend Menstruationsprodukte verwenden – über Jahrzehnte hinweg.

Sind Metalle im Körper denn schlimm? Sie werden ja immerhin auch als Nahrungsergänzungsmittel für eine gute Gesundheit verkauft.

Ja, zumindest einige. Metalle wie Blei oder Arsen sind giftig. Sie können das Nervensystem, das Herz und die Hormonregulation stören und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen. Besonders heikel: Wenn sie über die Vaginalschleimhaut aufgenommen werden, umgehen sie die Leber – unser wichtigstes Entgiftungsorgan. So können selbst winzige Mengen direkt in den Blutkreislauf gelangen und sich im Körper anreichern.

Du hast auch überraschenderweise sogenanntes „Antimon“ gefunden. Was ist das, und warum ist es in Menstruationsprodukten überraschend?

Antimon ist ein Halbmetall, das bei der Herstellung von Polyester verwendet wird. Viele Menstruationsprodukte enthalten synthetische Fasern – und genau dort kann Antimon vorkommen. Es gilt als potenziell krebserregend und kann Haut- oder Schleimhautreizungen auslösen. Produkte aus reiner Baumwolle oder anderen Materialien ohne Kunststoffanteil sind dagegen in der Regel weitgehend frei von Antimon – und damit die sicherere Wahl.

Du und dein Team schaut nicht nur, was in den Produkten drin ist, sondern auch, wie es vom Körper aufgenommen wird. Dafür untersucht ihr Vaginal- und Vulvazellen. Sind die denn anders als andere Zellen?

Ja, die Schleimhautzellen im Vaginal- und Vulvabereich unterscheiden sich strukturell und funktionell deutlich von Hautzellen. Die Vaginalschleimhaut besitzt keine verhornte Schutzschicht und ist stark durchblutet, wodurch sie Substanzen besonders effizient aufnehmen kann. Gelangen Chemikalien oder Metalle über diesen Weg in den Körper, umgehen sie den sogenannten First-Pass-Metabolismus in der Leber – also den natürlichen Entgiftungsprozess, der bei oraler Aufnahme stattfindet. Dadurch können selbst geringe Mengen toxischer Stoffe direkt in den systemischen Kreislauf gelangen. Trotz dieser besonderen Aufnahmebedingungen gibt es bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu, wie Schadstoffe – etwa aus Menstruationsprodukten – über die Vaginalschleimhaut aufgenommen werden und welche gesundheitlichen Risiken daraus entstehen können.

Bei WECF weisen wir ja immer wieder darauf hin, dass Schadstoffe gar nicht erst in den Produkten vorkommen sollten, damit sie gar nicht erst in unsere Körper gelangen können. Was sind deine Vorschläge für die Regulierung von Menstruationsprodukten?

Ich plädiere dafür, dass Menstruationsprodukte ähnlich kontrolliert werden wie Kosmetika oder Medizinprodukte. Es wäre wichtig, verbindliche Grenzwerte für Schadstoffe festzulegen – und mehr Transparenz bei den Inhaltsstoffen zu schaffen.
Derzeit existieren keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen, und viele Produkte werden kaum auf ihre chemische Sicherheit geprüft. Auf internationaler Ebene entwickelt die ISO im technischen Komitee ISO/TC 338 „Menstrual products“ neue Standards, die erstmals auch Anforderungen zur Prüfung auf chemische Schadstoffe – darunter Metalle, PFAS und andere potenziell toxische Substanzen – beinhalten. Das ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass Menstruationsprodukte weltweit nicht nur funktional, sondern auch gesundheitlich unbedenklich sind.

Mehr zu Kathrin Schillings Arbeit findest du hier >>

Weitere Infos

Übersichtsseite “Gerechte Menstruation – Menstruation als politisches Statement”

Erklärvideo “How to use giftfreie Menstruationsprodukte”

Infobroschüre “Giftfreie Menstruation – gesund, ökologisch, plastikfrei”