„Grandiose Visionen für ein besseres Morgen“ – Persönlicher Erlebnisbericht unserer Kollegin Marika als Teamerin beim Festival der Taten

Diese Woche findet das High Level Political Forum (HLPF) der Vereinten Nationen statt – nicht wie sonst in New York sondern digital. Als Mitglied der Women’s Major Group sind wir als zivilgesellschaftlicher Akteur an dem politischen Prozess für eine gendergerechte Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele beteiligt. Doch was passiert außerhalb der jährlichen High-Level-Debatten? Hier erzählt unsere Kollegin Marika Kuschan von ihren persönlichen Erfahrungen im SDG-Prozess:

„Während der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung von Covid-19 hatte ich keine Antwort auf die Fragen meiner beiden Kleinkinder – wann wir denn nun endlich wieder für das Klima demonstrieren können und wer sich denn bitteschön darum kümmere, wenn wir nicht demonstrieren gehen. Der Anstoß war gesetzt, so meldete ich mich als Teamerin zum ersten digitalen Festival der Taten an, organisiert von Engagement Global. Die digitale Umsetzung ermöglichte mir als Mutter die Teilnahme, die mit einer Fahrt durch Deutschland für ein Wochenende nicht umsetzbar gewesen wäre.

Auch wenn die Gründe und damit die Zielsetzung für nachhaltige Entwicklung selten lustig sind, so schaffte es die Komikerin Nicole Jäger mich doch durch ihren Keynote-Auftritt zu Beginn des Festivals öfters zum Schmunzeln zu bringen. Denn seitdem gehört „Man darf immer alles geben – außer auf!“ zu meinem Repertoire. Und so begann ich gut gelaunt mit zunächst 10 Teilnehmer*innen und einer weiteren Teamerin in einer der 50 Arbeitsgruppen an einer Herausforderung die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) betreffend zu arbeiten. Da auch eine Wohnzimmeredition des ‚Festival der Taten’ nicht skandalfrei ablaufen darf, teilten sich einige Gruppen im Laufe der ersten Stunden erneut, so dass wir abschließend zu siebt eine äußert effektive Gruppendynamik entwickeln konnten.

Doch was heißt eigentlich arbeiten und woran? Die hierzulande noch eher unbekannte Agenda 2030 zur Nachhaltigen Entwicklung setzt eine ergebnisorientierte politische Rahmenstruktur, die die 17 SDGs, 169 nachhaltige Zielsetzungen und entsprechende Indikatoren enthält, welche auf nationaler Ebene durch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt werden sollen. Dabei assistieren die SDGs den Prozess des Fortschritts zu erkennen und leiten Regierungen sowie öffentliche und wirtschaftliche Entscheidungsträger*innen dahingehend, Schritte in eine zukunftsfähige und nachhaltige Richtung zu tätigen.

Die SDGs transformieren also die Kernwerte und zugrunde liegende Prinzipien der Agenda 2030 in konkrete und messbare Ergebnisse. Auch wenn diese internationale Agenda bisher vor allem auf nationaler Ebene in Deutschland unzureichend umgesetzt und die Erreichung der Ziele durch die Maßnahmen der letzten Monate noch weiter zurückgeworfen wurde, sollte die Agenda 2030 insbesondere jetzt als Leitfaden für eine ganzheitliche und transformative Post-Corona-Strategie herangezogen werden.

Beim ersten digitalen Festival der Taten waren das 37 konkrete Herausforderungen für eine nachhaltige Zukunft, die den SDGs zugeordnet und in kleinen Gruppen mit kreativen Methoden wie Design Thinking bearbeitet wurden. Die Teams haben in zwei intensiven Tagen viele Lösungsansätze und verschiedene Ideen entwickelt. Und das, obwohl sich niemand vorher kannte und ein persönlicher Austausch durch die digitale Form ziemlich eingeschränkt war. Die teilweise sehr jungen Engagierten waren überaus motiviert und kreativ, visionär und gleichzeitig realistisch – eine tolle digitale Arbeitsatmosphäre ergab sich. Durch Auflockerungen und Austausch mit den anderen Gruppen entstand trotz großer physikalischer Distanz eine Wärme und gegenseitige Unterstützung.

Die Gruppe, die ich unterstützte, beschäftigte sich mit einer Zukunftsvision autofreier Innenstädte. Die Vision meiner Gruppe beruht auf der Schaffung von mehr sinnvollen Lebensraum in den Innenstädten, statt sinnentleerten Parkplätzen und verstopften Straßen. Dabei erarbeiteten sie eine Vorstellung intelligenter und nachhaltig verknüpfter Mobilitätskonzepte. Ihre erklärte Mission war es eine veränderte Mobilitätseinstellung von in Innenstädten lebenden Individuen hervorzurufen – und diese teilten sie abschließend durch ein kurzes Video. Auch jede andere Gruppe erarbeitete ein digitales Deliverable, die alle auf der Plattform YouTube betrachtet werden können. Eine Jury beurteilte abschließend die 17 besten Ideen und Projekte der verschiedenen Teams. Und wer weiß wie viele Teams weiterhin an der tatsächlichen Ausgestaltung ihrer grandiosen Visionen für ein besseres Morgen arbeiten.“

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe ‚Mobilität‘. Enjoy!

 

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