„Einmal in der Umwelt, immer in der Umwelt” – Unser aktualisiertes Positionspapier “Vorsicht! PFAS!” ist endlich da!
Pünktlich zu unserer aktuellen Aufklärungskampagne Bloody Toxics – End PFAS! launchen wir nun die aktualisierte Version unseres Positionspapiers “Vorsicht! PFAS”.
Die neue Auflage unseres Positionspapiers berücksichtigt den aktuellen Stand der Wissenschaft, die jüngsten regulatorischen Entwicklungen auf EU-Ebene – darunter das ECHA-Hintergrundpapier vom August 2025 zum geplanten Gruppenbeschränkungsverfahren – sowie neue Erkenntnisse zu besonders vulnerablen Gruppen. Erstmals widmet die Broschüre einen eigenen Abschnitt der Belastung durch PFAS in Menstruationsprodukten.
Warum Menstruationsprodukte?
Die Bloody Toxics – End PFAS! Kampagne ist kein Zufall: PFAS wurden in zahlreichen Menstruationsprodukten nachgewiesen, vor allem in solchen mit wasser- oder fleckenabweisenden Eigenschaften. Was die Produkte saugfähiger und auslaufsicherer machen soll, entpuppt sich als Risiko. Die Vaginalschleimhaut nimmt Substanzen deutlich schneller und vollständiger auf als die äußere Haut – bei jahrelanger regelmäßiger Nutzung summiert sich das. Diese geschlechtsspezifische Exposition findet in der bisherigen Risikobewertung von Chemikalien kaum Beachtung.
Bloody Toxics setzt genau hier an: Die Kampagne verbindet wissenschaftliche Aufklärung mit politischer Forderung – und macht deutlich, dass ein genderdifferenzierter Blick auf die Chemikalienpolitik überfällig ist.
Was sind PFAS – und warum sie nicht verschwinden
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren in Alltagsprodukten eingesetzt werden: von der Antihaftpfanne über Outdoor-Kleidung bis zu Lebensmittelverpackungen und Feuerlöschschaum. Wegen ihrer extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindung bauen sie sich in der Umwelt praktisch nicht ab. Einmal freigesetzt, bleiben sie für Jahrzehnte – im Boden, im Grundwasser, im Blut.
In der deutschen GerES-V-Studie waren alle Blutproben auf PFAS positiv. Mehr als 20 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen hatten Konzentrationen, die nicht mehr als unbedenklich gelten. Das europäische HBM4EU-Programm zeigte: Mehr als 14 Prozent der untersuchten Teenager lagen mit ihrer kombinierten PFAS-Belastung oberhalb der von der EFSA festgelegten Grenzwerte.
Die Belastung ist nicht gleichmäßig verteilt: Menschen in der Nähe von Industriestandorten, Flughäfen oder Deponien – häufig einkommensschwache oder marginalisierte Gruppen – tragen ein überproportional hohes Risiko. Auch Berufsgruppen wie Feuerwehrleute, Militärangehörige und Beschäftigte in der Chemieindustrie sind besonders stark belastet.
Was die Politik tut – und was sie tun muss
Auf EU-Ebene gibt es erste Fortschritte: Einzelne PFAS wie PFOS, PFOA und PFHxS sind verboten, ab Sommer 2026 gilt ein Verbot für PFHxA in vielen Verbraucherprodukten. Frankreich und Dänemark gehen mit nationalen Verboten voran. Deutschland hingegen lehnt laut Koalitionsvertrag 2025 ein Totalverbot ganzer PFAS-Gruppen ab.
Das im August 2025 aktualisierte ECHA-Hintergrundpapier zum EU-Gruppenbeschränkungsverfahren sieht Übergangsfristen von teils bis zu 20 Jahren vor – und erlaubt die PFAS-Produktion für den Export weiterhin. Aus unserer Sicht und der der Zivilgesellschaft ist das ein gefährlicher Rückschritt.
Hier findest du das Positionspapier als PDF >>>
Weitere Infos
- Bloody Toxics – End PFAS! Kampagne
- Interview mit Dr. Kathrin Schilling zu Schadstoffen in Menstruationsprodukten

