Santa-Marta-Konferenz: Vom „Ob“ zum „Wie“ – Den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen voranbringen

Autorin: Valeria Peláez Cardona, Programmmanagerin für Gender & Klima bei WECF e.V.

In einem geopolitischen Umfeld, in dem der Abbau von Rechten zunehmend zur Normalität wird, in dem „Petromaskulinität“ vorherrscht und Kriege alltäglich geworden sind (2025 war das Jahr mit den meisten aktiven bewaffneten Konflikten seit dem Zweiten Weltkrieg), ist die Beteiligung feministischer Perspektiven an der Gestaltung des Ausstiegs aus fossilen Energien notwendiger denn je.

Deshalb werden wir als Feminist:innen auf der ersten Konferenz „Transition Away from Fossil Fuels“ in Santa Marta (Kolumbien) vertreten sein, um über Lösungen für einen gerechten Wandel zu diskutieren. Die von den Regierungen Kolumbiens und der Niederlande gemeinsam veranstaltete Konferenz findet vom 27. bis 29. April statt und bringt mehr als 50 Vertreter:innen aus Regierungen und Zivilgesellschaft zusammen.

Dieser Moment markiert einen Meilenstein im Klimaschutz, denn es ist das erste zwischenstaatliche Forum, das sich speziell mit Lösungen für einen gerechten Übergang außerhalb des üblichen Rahmens der UN-Klimakonferenzen (COP) beschäftigt.

Die Debatte über einen gerechten Wandel muss mit dem Verständnis beginnen, dass die durch fossile Brennstoffe verursachte Klima- und Umweltkrise nicht geschlechtsneutral ist. Wenn wir das zugrunde liegende Wirtschaftsmodell – das vor allem auf fossilen Energien basiert – nicht hinterfragen, laufen wir Gefahr, dieselben Ungleichheiten gegenüber Frauen und geschlechtlicher Vielfalt zu reproduzieren.


Fossile Brennstoffe als System der Gewalt

Die Förderung fossiler Energieträger ist so tief in einem System von Ausbeutung, Kolonialismus und Zerstörung verankert, dass ihre Auswirkungen weit über den Klimawandel hinausgehen.

Von der Erkundung über die Förderung bis zur Verbrennung hinterlassen fossile Brennstoffe eine Spur von Tod und Verwüstung, die die Rechte von Frauen, Migrant:innen, indigenen Gemeinschaften und marginalisierten Bevölkerungsgruppen untergräbt.

Die Forderung nach einem gerechten Übergang in eine fossilfreie Zukunft ist daher zugleich ein Aufruf, Fürsorge und Frieden mit der Natur in den Mittelpunkt zu stellen sowie Wiedergutmachung für diejenigen zu leisten, die historisch unter der extraktiven Industrie gelitten haben.

Die Konferenz in Santa Marta ist entscheidend, um mehr nationale und internationale Ambitionen beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen einzufordern. Gleichzeitig geht es darum, stärkere Verpflichtungen zur Begrenzung des Einflusses fossiler Industrien auf Klima-, Sozial- und Umweltpolitik zu erreichen und Rechenschaftsmechanismen zu schaffen, damit fossile Energien und kritische Mineralien nicht in die Rüstungsindustrie fließen.

Geschlechtergerechte Klimaschutzlösungen als Rückgrat des Wandels

Historisch sind marginalisierte lokale Gemeinschaften am stärksten von der durch fossile Energien verursachten Klima- und Umweltkrise betroffen. Gleichzeitig haben genau diese Gemeinschaften immer wieder ihre kollektive Stärke bewiesen, geschlechtergerechte und intersektionale Klimaschutzlösungen umzusetzen.

Der Wandel muss daher notwendigerweise die Stärkung und Ausweitung solcher Lösungen beinhalten – finanziert durch Zuschüsse statt durch neue Schulden sowie durch bedarfsgerechten Kapazitätsaufbau und Technologietransfer, der sich an den lokalen Gegebenheiten orientiert.

Saubere Energie – dieselbe Gewalt?

Der in Santa Marta diskutierte Übergang darf keine Neuauflage des heutigen extraktivistischen und kolonialen fossilen Modells sein.

Die Ausbeutung kritischer Mineralien und von Wasser für „saubere“ Energie und künstliche Intelligenz könnte dieselben Gewaltstrukturen und Ungleichheiten reproduzieren – wenn nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften eingeholt wird und verbindliche Kontrollmechanismen bestehen.

Gerechtigkeit darf kein bloß schallender Begriff im Zusammenhang mit diesem Wandel sein – sie muss Voraussetzung sein, damit Gemeinschaften im Globalen Süden nicht in neue oder fortbestehende Schulden- und Ausbeutungsverhältnisse geraten.

Die feministische Zukunft, die wir in Santa Marta aufbauen wollen

Santa Marta bietet eine beispiellose Chance für Staaten, endlich reale, messbare und überprüfbare Lösungen umzusetzen.

Aus feministischer Sicht kann die Konferenz nur dann als Erfolg gelten, wenn ihre Ergebnisse verbindliche Formulierungen zur Geschlechtergerechtigkeit enthalten – und nicht bloß symbolische Erwähnungen.

Feminist:innen reisen nicht nach Santa Marta, um um Erlaubnis zu bitten, unsere Perspektiven einbringen zu dürfen – sondern um sicherzustellen, dass die Debatte über fossile Brennstoffe grundlegend verändert wird.

Der Abbau der Abhängigkeit von fossilen Energien muss Hand in Hand gehen mit dem Abbau der patriarchalen, kolonialen und extraktivistischen Systeme, die sie stützen. Alles andere wäre nur ein scheinbarer Wandel.


Über die Women and Gender Constituency (WGC)

Die WGC ist eine Koalition aus 64 NGOs, gegründet 2009, mit offiziellem Beobachtendenstatus seit 2011. Sie setzt sich in allen Prozessen der UN-Klimarahmenkonvention sowie im Rahmen der Agenda 2030 für die vollständige Verwirklichung von Frauenrechten, Geschlechtergerechtigkeit und Umweltschutz ein.