Klimagerechte Ernährungssysteme brauchen Geschlechtergerechtigkeit

Gemeinsame Einreichung unseres Schwesternbüros WECF international an den Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Klimawandel und Menschenrechte für den Bericht “Transforming food systems to protect human rights and prevent climate harm.” 

Ernährungssysteme, Klima und Menschenrechte: Patriarchale Männlichkeitsbilder, Strukturen und Normen überwinden, um Fürsorge und Gerechtigkeit zu fördern

Die globalen Organisation von Ernährung steht im Zentrum multipler Krisen: Sie tragen erheblich zum Klimawandel bei, beschleunigen den Verlust von Biodiversität und verstärken soziale Ungleichheiten. Gleichzeitig sind sie entscheidend für die Verwirklichung grundlegender Menschenrechte wie das Recht auf Nahrung, Gesundheit und eine saubere Umwelt. Eine aktuelle gemeinsame Einreichung zivilgesellschaftlicher Organisationen an den UN-Sonderberichterstatter für Klimawandel und Menschenrechte macht deutlich, dass eine echte Transformation dieser Systeme nur gelingen kann, wenn auch die zugrunde liegenden Machtverhältnisse verändert werden.

Warum Geschlechternormen entscheidend sind

Ernährungssysteme sind nicht neutral – sondern stark von patriarchalen Strukturen geprägt. Diese bestimmen, wer Zugang zu Land, Ressourcen und politischer Mitsprache und Entscheidungsprozessen hat. Darüber hinaus beeinflussen tief verankerte soziale Vorstellungen von Männlichkeit wirtschaftliche und politische Entscheidungen – häufig zugunsten von Wachstum, Kontrolle und kurzfristigem Profit, während Fürsorge, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in den Hintergrund treten. Die Folgen sind weltweit sichtbar: Frauen und marginalisierte Gruppen tragen einen Großteil der Verantwortung für Ernährung und Care-Arbeit, bleiben jedoch systematisch von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

Der Klimawandel verschärft diese Ungleichheiten zusätzlich. Ernteausfälle, steigende Preise und Ressourcenknappheit treffen besonders diejenigen, die ohnehin wenig Einfluss und Schutz haben. Gleichzeitig sind viele Formen von Diskriminierung und Gewalt eng mit den bestehenden Ernährungssystemen verknüpft und verstärken bestehende Machtasymmetrien.

Was sich ändern muss

Eine nachhaltige Transformation erfordert daher mehr als technologische Innovationen. Notwendig ist ein grundlegender Wandel hin zu gerechten und fürsorgeorientierten Strukturen. Das bedeutet, Menschenrechte konsequent ins Zentrum politischer Entscheidungen zu stellen, geschlechtertransformative Ansätze zu stärken und auch Männer und Jungen aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen. Ebenso wichtig ist die Förderung agroökologischer und lokal verankerter Lösungen, die bereits heute zeigen, wie nachhaltige und gerechte Ernährungssysteme aussehen können.

Unsere zentrale Botschaft ist klar: Klimagerechte Ernährungssysteme sind ohne Geschlechtergerechtigkeit nicht möglich. Wer den Klimawandel wirksam bekämpfen und Menschenrechte schützen will, muss patriarchale Machtstrukturen hinterfragen und abbauen. Nur so können Systeme entstehen, die sowohl den Planeten bewahren als auch ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Das gesamte Paper findest du als PDF hier (Englisch) >>


Diese Einreichung wurde im Rahmen eines globalen Konsultationsprozesses erarbeitet, an dem zivilgesellschaftliche Organisationen und Forschende beteiligt waren, die an der Schnittstelle von Klimagerechtigkeit, Geschlechtergleichstellung und Ernährungssouveränität arbeiten.

Zu den Mitwirkenden gehören:

Women Engage for a Common Future International (WECF int.)
MenEngage Global Alliance
YouthNet Global (Bangladesch)
Zambia Social Forum (ZAMSOF)
Feminist Diplomacy Lab