Wir feiern die neuen GJCS-Preisträgerinnen und ein Jahrzehnt voller Veränderungskraft

Angesichts der vielen beunruhigenden Nachrichten zur eskalierenden Klimakrise ist es umso schöner zu sehen, wie trotz dessen Frauen in all ihrer Vielfalt solidarisch zusammenstehen und in ihren Communities echten Wandel anstoßen. Deshalb freuen wir uns riesig, die Preisträgerinnen der Gender Just Climate Solutions (GJCSA) 2025 vorzustellen – eine besondere Jubiläumsausgabe zum 10-jährigen Bestehen dieser globalen Initiative für geschlechtergerechten Klimaschutz.

Die diesjährigen Auszeichnungen gehen an Initiativen aus Costa Rica–Nicaragua, der Demokratischen Republik Kongo und Bolivien und wurden im Rahmen einer Zeremonie auf der UN-Klimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien, verliehen. Die innovativen und inklusiven Ansätze von Tatiana Mijaela Quiroga, Patricia Kasoki und Christy Martinez zeigen einmal mehr: Klimagerechtigkeit gibt es nur, wenn wir feministisch denken und intersektional handeln.

Die diesjährige Verleihung der GJCSA ist eine gemeinsame Initiative der Women and Gender Constituency und uns von WECF – und nicht nur aufgrund ihres Jubiläumsjahres etwas Besonderes – sie stellt auch einen neuen Rekord auf: Insgesamt gingen 517 gültige Bewerbungen aus aller Welt ein. Jedes dieser Projekte zeigt, wie viel Kreativität, Resilienz und Fachwissen Frauen und genderdiverse Personen an den Frontlinien der Klimakrise einbringen.

Das Event hat erneut bewiesen: Lösungen für die Klimakrise gibt es bereits. Sie wirken, sie sind gerecht – und sie sind bereit, in größerem Maßstab umgesetzt zu werden. Jetzt braucht es vor allem eins: die Aufmerksamkeit, Anerkennung und Ressourcen, die diese Initiativen verdienen.

Über den Gender Just Climate Solution Award

Der GJCS-Award ist in drei Kategorien unterteilt:

  • Technische Lösungen

  • Nicht-technische Lösungen

  • Transformative Lösungen

Für ihre herausragende Arbeit erhalten die Preisträgerinnen jeweils ein Förderstipendium von 5.000 Euro, begleitet von individuellem Mentoring sowie der Teilnahme an einem Capacity-Building-Programm. Zudem werden sie zur COP30 eingeladen, wo sie an Klimaverhandlungen teilnehmen, sich mit anderen ökofeministischen Organisationen vernetzen und ihre Arbeit einem internationalen Publikum vorstellen können.

Darüber hinaus werden sie Teil einer speziellen Plattform, die ihnen hilft, ihr Fachwissen weiter auszubauen, ihre Projekte zu stärken und die Sichtbarkeit ihrer Arbeit zu erhöhen. Durch die Einbindung in unser globales ökofeministisches Netzwerk können sie mit internationalen Organisationen und politischen Entscheidungstragenden in Kontakt treten – und sicherstellen, dass ihre Perspektiven im globalen Klimadiskurs präsent sind.

Die GJCS-Preisträgerinnen 2025

Wir freuen uns, die drei ausgewählten Projekte der Gender Just Climate Solutions Awards 2025 vorzustellen:

1. Technische Lösungen: Tatiana Mijaela Quiroga, Uru Uru Team, Bolivien

Tatiana Mijaela ist eine Stimme, die sich nicht von der Geschichte zum Schweigen bringen ließ. Schon als Kind erlebte sie, wie Machthabende die Stärke und das Wissen indigener Frauen an den Rand zu drängen versuchten – eine Erfahrung, die durch das fortschreitende Sterben der heiligen Pacha noch schmerzhafter wurde. Aus diesem Schmerz entstand ihr Weg: ein Weg voller Widerstandskraft und entschlossenem Handeln.

Mit großem Einsatz ist sie zu einer Hüterin geworden traditionellen Wissens geworden – dieses Wissen verbindet sie mit wissenschaftlicher Innovation. Ihre Arbeit zielt nicht nur darauf ab, ihrer Gemeinschaft Hoffnung zurückzugeben und echte Teilhabe für alle zu ermöglichen – sie zeigt auch eindrucksvoll, dass indigene Frauen genau die viionären Führungspersönlichkeiten sind, die Bolivien braucht, um wieder im Einklang mit Pachamama (Mutter Erde) zu leben.

Das Uru Uru Team

Indigene Communities im bolivianischen Andenhochland sehen seit Jahren, wie illegaler Bergbau und Plastik ihr Herzstück – den Uru-Uru-See – kaputtmachen. Das Uru-Uru-Team, angeführt von indigenen Frauen, kontert das mit einer smarten, naturbasierten Lösung: Sie recyceln den Plastikmüll zu schwimmenden Flößen und bepflanzen sie mit Totora und anderen Wasserpflanzen, die Schwermetalle rausziehen und das Wasser wieder nutzbar machen. Rund 200 Frauen werden dafür im Anbau und im Bau der Flöße ausgebildet.

2. Nicht-technische Lösungen: Patricia Kasoki, Jambo Radio, Demokratische Republik Kongo

Patricia Kasoki ist eine junge kongolesische Aktivistin, die sich mutig für soziale und ökologische Gerechtigkeit einsetzt. Geboren 1996 – mitten in bewaffneten Konflikten, geprägt von Landraub und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen im Osten der Demokratischen Republik Kongo – wuchs sie als unmittelbare Zeugin der Gewalt, Ungleichheit und Ungerechtigkeit auf, von denen Frauen besonders betroffen sind. Anstatt tatenlos zuzusehen, engagierte sie sich früh in Bürger:innenbewegungen, lokalen Basisgruppen, Frauenkollektiven und schließlich auch in den Medien.

2021 gründete sie das Badilika Center, eine lokale gemeinnützige Organisation, inspiriert durch eine Radiosendung, die sie damals zu Menschenrechten und natürlichen Ressourcen moderierte – in der ländlichen Gemeinde Kanyabayonga im Ostkongo.

2022 wurde sie mit dem Georges-Atkins-Communication-Award der kanadischen Organisation Farm Radio International ausgezeichnet – für eine Sendung, die sich unter anderem den Landrechten von Frauen im ländlichen Raum widmete. Im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit Béatrice Mbuyi und Joseph Tsongo Jambo Radio. Heute setzt sie ihren Einsatz für Information, politische Einflussnahme, Empowerment und die Stärkung der Stimmen lokaler und indigener Gemeinschaften fort – insbesondere von Frauen im Kongobecken der DR Kongo.

Radio Jambo

In der DR Kongo, wo Ausbeutung, Klimakrisen und humanitäre Notlagen zusammenkommen, gibt Jambo Radio Frauen und Indigenen eine laute, eigene Plattform. Seit 2023 mischt die Community-Initiative Radiosendungen, Podcasts, Zuhörer*innen-Clubs und offene Debatten. Der Ansatz ist super partizipativ: Frauenperspektiven und traditionelles Ökowissen stehen immer vorne.

Jambo Radio räumt mit Klimamythen auf, fördert Dialog und hält lokale Lösungen fest – und stärkt so die Fähigkeit der Communities, sich an Krisen anzupassen und ihre Wälder zu schützen. Mit einem Mix aus altem Wissen, digitalen Tools und feministischer Power zeigt das Projekt, wie Medien Klima- und Gendergerechtigkeit wirklich pushen können.

3. Transformative Lösungen: Christy Martinez, Fundación Sín Límites para el Desarrollo Humano, Costa Rica

Christy Melissa Martínez Núñez ist eine 26-jährige nicaraguanische Menschenrechtsverteidigerin, Juristin und Advocacy Managerin bei der Fundación Sin Límites. Sie entwickelt und leitet Trainings- und Unterstützungsangebote für geflüchtete Frauen und junge Menschen, hilft ihnen dabei, ihre Lebensprojekte neu aufzubauen und ihre Führungsfähigkeiten zu stärken. Ihr Engagement konzentriert sich auf akademische Freiheit, Leseförderung für junge Menschen und echte Jugendbeteiligung in Entscheidungsprozessen – durch Bildung, Dialog und kollektives Handeln.

Christy lebt seit vier Jahren als Geflüchtete in Costa Rica und widmet ihre Arbeit den Bedürfnissen vertriebener Gemeinschaften. Sie setzt sich dafür ein, ihre Würde, ihre Fähigkeiten und ihr Potenzial sichtbar zu machen. Für sie ist klar: Geflüchtet zu sein darf niemals bestimmen oder begrenzen, wie weit wir träumen, hoffen oder erreichen können.

Christy ist Mitglied des Youth Sounding Board der Europäischen Union (2025–2027) und hat an der Harvard Climate Action Week teilgenommen, wo sie junge Stimmen vertrat, die sich für Gerechtigkeit sowie nachhaltige und inklusive Zukünfte starkmachen.

Fundación Sín Limites para El Desarrollo Humano

Die Fundación Sin Límites para el Desarrollo Humano stärkt geflüchtete Jugendliche und Frauen aus Nicaragua, die oft wegen Klimakatastrophen ihr Zuhause verlieren. Über 700 Frauen in Nicaragua und im Exil haben bereits Trainings, Leadership-Programme und psychosoziale Unterstützung bekommen – für mehr Stabilität und gemeinsame Stärke.

Zusammen mit afro-descendanten und indigenen Gruppen forscht die Stiftung zu Migration, Gender und Demokratie und beobachtet Bedrohungen wie Entwaldung, Extraktivismus und illegalen Bergbau, um Communities beim Schutz ihrer Rechte und Lebensräume zu supporten.

Zur Women and Gender Constituency (WGC)

Die Women and Gender Constituency (WGC) ist ein globales Netzwerk von 64 NGOs, 2009 gegründet und seit 2011 offiziell als Beobachterin bei der UN-Klimarahmenkonvention anerkannt. Als Lead des GJCS-Programms setzt sie sich dafür ein, dass Frauenrechte, Gendergerechtigkeit und Umweltschutz in allen UNFCCC-Prozessen und der Agenda 2030 wirklich umgesetzt werden.