Renovierungsziele in Deutschland: Hürden und Herausforderungen

Situation und Folgen für strukturell vulnerable Haushalte

Ungefähr zehn Prozent aller Haushalte in Deutschland gelten als vulnerabel gegenüber steigenden Energiepreisen. Das bedeutet, dass sie entweder nicht in der Lage sind, ihre Wohnungen ausreichend zu heizen, oder durch ihre Energiekosten stark finanziell belastet werden. Dies entspricht etwa drei Millionen der insgesamt rund 30 Millionen Haushalte, welche derzeit noch fossile Brennstoffe zum Heizen verwenden. Weiterhin liegen bislang nur begrenzte Daten zur Energieeffizienz des Gebäudebestands in Deutschland vor. Insbesondere fehlen Informationen, die die Energieeffizienz von Gebäuden mit den sozioökonomischen Merkmalen der Bewohner:innen verknüpfen. Ähnliche Datenlücken zeigen sich, wenn weitere Parameter berücksichtigt werden, die bei der Definition von Vulnerabilität relevant sind – etwa Vermögen, Migrationsbiographie, Behinderung, Alter oder Geschlecht.

Darüber hinaus hat Deutschland bislang keine konkreten Renovierungsziele in der Energiepolitik formuliert und der Gebäudesektor verfehlt seit Jahren die CO₂-Reduktionsziele der Bundesregierung. Laut der „Towards Climate Neutrality“-Leitstudie der Deutschen Energie-Agentur (dena), müssten jährlich zwischen 1,7 % und 1,9 % des Wohngebäudebestands energetisch saniert werden, um bis 2045 Klimaneutralität im Gebäudesektor zu erreichen. Gegenwärtig befinden sich jedoch zwei Drittel aller Wohngebäude in den niedrigen Effizienzklassen D bis H, mit einem Energieverbrauch von über 100 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Gebäude der schlechtesten Effizienzklassen (G und H) verursachen allein rund 50 % des gesamten Energieverbrauchs im Gebäudesektor. Bestehende Sanierungsprogramme zielen zwar darauf ab, die Wohnbedingungen zu verbessern, doch rechtliche, finanzielle und strukturelle Barrieren schränken den Zugang insbesondere für Haushalte in vulnerablen Lebenslagen erheblich ein.

Der vorliegende Bericht bietet eine umfassende Analyse der Sanierungspolitiken und -programme am Beispiel des Münchner Stadtteils Neuperlach. Im Fokus steht die Frage, inwieweit bestehende Programme den Bedürfnissen vulnerabler Haushalte im Kontext von Energiearmut und energetischer Gebäudesanierung gerecht werden oder diese unzureichend berücksichtigen. Auf Grundlage von Expert:inneninterviews, demografischen Analysen und einer Policy-Review werden die Zugänglichkeit und Wirksamkeit zentraler Förderprogramme – wie des Förderprogramms Klimaneutrale Gebäude (FKG) und des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts – untersucht. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Barrieren, mit denen strukturell vulnerable Haushalte konfrontiert sind.

Die Publikation wurde im Rahmen des Projekts GENDER4POWER erarbeitet, das europaweit gegen Energiearmut vorgeht. In Deutschland setzt GENDER4POWER Aktivitäten gegen Energiearmut im Münchner Stadtteil Neuperlach um.