Film ab: Giftige Chemikalien in der Hauptrolle eines Kinofilms

Pressemitteilung zum Filmstart von „Vergiftete Wahrheit“ | München, 8. Oktober 2020

„Vergiftete Wahrheit“ – leider nicht nur ein Film

Verspätet wegen Covid 19 und dennoch pünktlich zu der für nächste Woche geplanten Veröffentlichung der EU Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit startet am 08. Oktober 2020 der Film Vergiftete Wahrheit (Originaltitel: Dark Waters) in den deutschen Kinos.

Filmposter Vergiftete Wahrheit
Quelle: filmposter-archiv.de

Wahre Hintergründe

Der US-amerikanische Regisseur Todd Haynes verfilmt darin die wahre Geschichte des Wirtschaftsanwalts Rob Billiott. In einem Präzedenzfall, der sich über 19 Jahre erstreckt, galt es für Billiott nachzuweisen, dass durch den US-Chemiegiganten DuPont die gefährliche Substanz Perfluoroctansäure (PFOA), die zur Herstellung von Teflon verwendet wird, in die Trinkwasserversorgung und Luft gelangte. Dies führte zum Anstieg verschiedener Krebsarten und anderer schwerwiegender Gesundheitsfolgen am DuPont-Standort in Parkersburg, West Virginia.

Rob Bilott (dargestellt von Mark Ruffalo) stürzt sich aufopferungsvoll in eine langwierige Auseinandersetzung, die ihn seinen Ruf, seine Gesundheit, sein privates Glück und vielleicht sogar sein Leben kosten könnte. Der Film erhielt das Prädikat besonders wertvoll der Deutschen Film- und Medienbewertung FBW.

In Deutschland: Trinkwasser belastet und Kinder und Jugendliche mit zu viel PFAS im Blut

„Leider sind die Szenarien im Film nicht nur Fiktion“, so Johanna Hausmann, Koordinatorin Chemikalien und Gesundheit für WECF. Auch in Deutschland gibt es Standorte, an denen Trinkwasser mit PFOA und anderen perfluorierten Chemikalien (abgekürzt PFC oder PFAS) verunreinigt ist. Beispiele, die durch die Medien gingen, sind Arnsberg und Altötting. Anfang 2020 wurde auf einem Militärstützpunkt in Wiesbaden Grundwasser durch Löschschaum kontaminiert.

„Die deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, GerES V fand heraus, dass bis zu 100 Prozent der im Rahmen der Studie in Deutschland getesteten Kinder zwischen drei und 17 Jahren zu viele langlebige Chemikalien wie PFOA und PFOS aus der Stoffgruppe der PFAS im Blut hatten. In einem Fünftel der untersuchten Proben war die Konzentration so hoch, dass negative gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Das ist erschreckend und verlangt dringend ein Verbot dieser Stoffgruppe.“, sagt Johanna Hausmann.

Perflourierte Chemikalien, auch so genannte „Ewigkeitschemikalien“, sind fett-, wasser- und schmutzabweisend und werden zum Beispiel in der Beschichtung von Kaffeebechern und Pfannen, für Outdoorjacken oder Löschschäume verwendet. Sie sind sehr persistent. Einmal in der Umwelt, können sie nicht mehr abgebaut werden.

Wichtige Weichenstellung: EU-Chemikalienstrategie

Die EU-Chemikalienstrategie, ein Element des European Green Deals, die nächste Woche am 14. Oktober veröffentlicht werden soll, kann eine wichtige Weichenstellung für neue verbraucherfreundliche Gesetze sein. Die Initiative der EU-Kommission, bei der die Generaldirektion Umwelt federführend ist, soll Europas Bürger*innen besser vor gefährlichen Chemikalien schützen und Anreize für die Entwicklung undenklicher Alternativen setzen.

Unverständlicherweise hat sich bei den Abstimmungen in den Fachbereichen gerade die Generaldirektion Gesundheit gegen strengere Regulierungsmechanismen zum Schutz der Gesundheit durch die EU- Nachhaltigkeitsstrategie gestellt. Die Gründe hinter dieser Haltung liegen in „dunklen Gewässern“. In einem Brief wanden sich zehn Umweltminister*innen an die Kommission, sich für eine starke EU-Chemikalienstrategie einzusetzen. Die Unterschrift von Umweltministerin Svenja Schulze fehlt.

Im Rahmen der Verhandlungen zu SAICM, ein Instrument zum internationalen Chemikalienmanagement, das gerade neu verhandelt wird und bei dem Deutschland die Präsidentschaft hat, werden PFCs  als „Bedenkliches Thema“ diskutiert.

 

 

Weiter Informationen

Kontakt: Johanna Hausmann | johanna.hausmann@wecf-consultant.org | 0173 8001040

Unterstützt von der NGO Initiative Für das Recht auf eine Giftfreie Zukunft